"Wenn ich immer weiter blicken konnte als andere, dann aufgrund der Tatsache, dass ich auf den Schultern von Riesen stand", beschied sich Sir Isaac Newton im Februar 1676, über seine Entdeckungen räsonnierend.
Welche ästhetischen Konsequenzen resultieren aus seiner mathematischen Theorie der Farbe?

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Sir Isaac Newton (1643-1727), Protagonist der wissenschaftlichen Revolution des 17. Jahrhunderts.

Seine bedeutendsten Erkenntnisse sind Entwicklung der Infinitesimalrechnung, die Entdeckung der Natur des Lichts und die Findung der Gravitationstheorie.

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farbtheorie

Nach Boring (Sensation and Perception in the History of Experimental Psychology, 1942) ist eine Farbtheorie eine (meist spekulative) Annahme über die Prozesse, die sich zwischen dem externen Reiz und der Empfindung bzw. dem Gehirn abspielen. Die verschiedenen Debatten in Kunst und Design, die um Farbmodelle geführt werden, lassen sich bis 1666 zurückverfolgen, als Isaac Newton das erste zirkuläre Farbdiagram entwickelte. Grundsätzlich gibt es in der Theorie sehr unterschiedliche Meinungen zur Anwendbarkeit verschiedener Farbmodelle, in der Praxis aber hat jede begründete Sequenz von Farbtönen ihre Existenzberechtigung. Um farbharmonische Zusammenhänge kennenzulernen, geht man am besten vom einfachen Farbrad aus:

 

Primärfarben
Rot, Gelb und Blau

Sie können nicht durch subtraktive Mischung anderer Farben hergestellt werden, aus ihnen kann aber jede beliebige andere Farbe gemischt werden.

 

Primärfarben

Sekundärfarben
Grün, Orange und Lila

Diese Farben ergeben sich durch Mischung der Primärfarben.

 

 

Sekundärfarben

Tertiärfarben
Gelb-Orange, Rot-Orange, Rot-Lila, Blau-Lila, Blau-Grün und Gelb-Grün

Diese Farben ergeben sich durch Mischung der Sekundärfarben und vervollständigen das Farbrad zu zwölf Teilbereichen.

 

Tertiärfarben

 

Die verschiedenen Farben im Farbrad haben Beziehungen zueienander, die als Farbharmonie bezeichnet werden. In visuellen Zusammenhängen meint Harmonie eine Balance in der visuellen Rezeption. Extreme Einheitlichkeit kann dabei zu wenig, extreme Komplexität zu viel Aufmerksamkeit abverlangen.

Einige Beispiele für harmonische Farbschemata:

Analoges Farbschema

Analoge Farben nennt man beliebige drei benachbarte Farben auf einen zwölfteiligen Farbrad. In der Regel dominiert eine der drei Farben.

 

Analoges Farbschema

Kontrastharmonie

Komplemetärfarben liegen sich im Farbrad gegenüber, so zum Beispiel Rot und Grün. Diese Farben haben maximalen Kontrast und maximale Stabilität und werden als kontrastharmonisches Schema bezeichnet.

 

Komplementärfarben

Natürliche Farbschemata

In der Natur kommen harmonische Farbschemata vor, die nicht aus technischen Formeln für Farbharmonie abgeleitet werden können.

 

Natürliches Farbschema

Monochrome Farbschemata

Monochrome Farbschemata sind am Bildschirm besonders effektiv. Hierbei wird lediglich die Helligkeit eines einzelnen Farbtons verändert.

 

Monochromes Farbschema

 

Wenn bereits Bildmaterial für die Verwendung im Web vorgegeben wird, bietet es sich an, Schlüsselfarben zu identifizieren und für die Gestaltung des Interface anzuwenden. Besonderer Wert sollte beim Design von GUIs auf Kontraste gelegt werden. Hierzu empfiehlt es sich, zunächst in Graustufen zu layouten und erst nachträglich ein Farbschema einzusetzen.

Die Kontextualisierung von Farben mit anderen ist ein sehr komplexes Feld der Farbtheorie. Hier sollten auch die Gestaltgesetze berücksichtigt werden.

 

Kontrasteffekte

eines roten Rechtecks auf verschieden Hintergrundfarben.

 

 

Kontrasteffekte

Farbüberstrahlung

kann dazu führen, dass ein und dieselbe Farbe unterschiedlich wahrgenommen wird.

 

Farbüberstrahlung

 

Farbwahrnehmung funktioniert also auch relativ. Die Kombination von verschiedenen Farbwerten, Farbsättigungen und Farbtönen kann die Farbwahrnehmung stark verändern.

Eine wichtige Rolle für die Farbwahl spielen positive und negative Asoziationen, die mit einer Farbe verbunden werden. Doch Vorsicht: Diese Assoziationen sind extrem subjektiv und kulturell determiniert. Eine Darstellung möglicher Assoziationen liefert folgende Tabelle:

Farbe positive Assoziationen negative Assoziationen assoziative Farbnamen
Violett Spiritualität, Mystik, Feierlichkeiten Magie, Macht Aubergine, Flieder, Veilchen
Blau Treue, Ruhe, Weite, Sehnsucht, Frische, Tiefe, Luft, Wasser grün und blau schlagen, blau sein nachtblau, meeresblau, himmelblau, türkisblau
Grün Natur, Wachstum, Harmonie, Leben, Beruhigung, Frische, Sympathie, Frieden, Hoffnung Schimmel, Gift apfelgrün, blattgrün, grasgrün, Moos, schilfgrün, giftgrün
Gelb Licht, Erleuchtung, Helligkeit, Sonne, reifes Obst, Blüten, Gold Gift, Galle, Eiter, Schwefel, Neid, Eifersucht maisgelb, goldgelb, sonnenblumengelb, schwefelgelb
Orange Wärme, Feuer, Abendsonne, Erotik, Besänftigung, Weiblichkeit Orangenhaut, aufreibend, Kitsch Aprikot, Hummer, Lachs, Orange
Rot Energie, Kraft, Liebe, Kirschen, Wärme, Lust, Feuer, Glut, Mut, Leidenschaft Kampf, Verletzung, Mord, Gefahr, Wut, Opfer (warnend), Sucht, Egoismus, Macht korallenrot, rosenrot, feuerrot, Bordeaux, kirschrot, blutrot
Braun Bäume, Holz, Nüsse, Tabak, Muttererde Gutbügerlichkeit, Nazis, Fäkalien erdbraun, nussbraun, schokoladenbraun
Weiß Unschuld, Weite, Sauberkeit, Leere, Ausgeglichenheit Sterilität schneeweiß, kreideweiß, reinweiß
Grau Asche, Asphalt, Mäuse, Alter Farblosigkeit, Hoffnungslosikeit, Tristess, Theorie stahlgrau, steingrau, Granit, mausgrau
Schwarz Nacht, Rückzug, Erotik, Geheimnis, Unterbewußtsein Tod, Trauer, Bosheit, Macht, Verbotenes pechschwarz, rabenschwarz, schwarz wie die Nacht

 

Farbtheorie: Kann im Netz vertieft werden...

Dieses Tutorial befasst sich explizit mit Farben im Webdesign.

Harald Küppers ist einer der bekanntesten Farbexperten der Gegenwart.

Historisches Grundlagenwissen vermittelt The Theory of Colour in Science and Art.

Color Matters nähert sich dem Thema Farbe multidisziplinär.